3. Die Nadel im Heuhaufen

Unsere Checkliste im Kopf, verbrachten wir viel Zeit auf Internetseiten und entdeckten das eine oder andere “Traumobjekt”. Jedes Mal in Feuer und Flamme versetzt, machten wir uns in der ersten freien Minute auf den Weg ins Burgund. Freitagnacht, im Sturm, auf finsteren Holperstrassen, gegen Mitternacht in einer manchmal etwas merkwürdigen Unterkunft. Besichtigungstermin Samstagmorgen: Ein Schloss mit Wald, bunten Zimmern, Heimwerkerküche - sie kochen oder essen nicht gern! Sichtbare Überforderung der Besitzer. Am Nachmittag Rückfahrt. Ein nächstes Wochenende etwas organisierter: Parkähnlicher Garten an der Voie verte, ein wunderschönes Steinhaus von aussen, ein gepflegter Gewölbekeller, Swimmingpool; im Innern: Totalsanierung notwendig. Wieder nichts - immerhin hatten wie diesmal etwas Savoir vivre vorgesehen, Spaziergang und Nachtessen in Beaune, eine schönes Hotel im Park, Frühstück unter Linden und Heimkehr am Sonntag. Dritter Besuch: Traumhaus in der Yonne, alle Wünsche erfüllt, aber viel zu weit weg, ein Haus perfekt für Expats, die in Paris arbeiten.

Wir entschieden uns zu einem Strategiewechsel und buchten zwei Wochen Frühlingsferien in Meursault. Chasse immobilière sur place. Der lokale Immobiler nahm unser Profil auf und organisierte fast täglich mehrere Hausbesichtigungen, erfolglos; der Verzweiflung nahe, besichtigten wir einen Schloss in Chassagne Montrachet inmitten der Reben; Totalsanierung notwendig unter Auflagen des Denkmalschutzes. Auch nichts. Am zweitletzten Tag unserer Ferien übergab Benjamin unseren hoffnungslosen Fall an seinen Kollegen in Pouilly-en-Auxois für eine letzte Besichtigung, “ein holländischer Property Developer hätte am Rande des Morvan etwas eigenwillig eine Scheune zwischen zwei Ställen umgebaut, minimalistisch, gar nicht französisch”. Bilder gab es nur wenige, klein, verwackelt, im Winter aufgenommen. Wir fuhren hin.

Sofort waren wir von der besonderen Ausstrahlung des Hauses, der Schlichtheit aber auch der Grösse angetan. Die geräumige Küche mit viel freier Arbeitsfläche und einer grossen Kochinsel zum zugucken oder mithelfen - der Traum jeder Hobbyköchin. Die Galerie verlieh dem ganzen Gebäude eine luftige Grosszügigkeit und unterteilte das Haus in einen Wohn- und einen Gästezimmerflügel. Im Master Bedroom alleine könnte man eine ganze Familie unterbringen. Um den grossen halbrunden Sitzplatz im Garten spriessten alle Kräuter die ich aufzählen konnte, Erdbeeren und Lavendel und im wunderschön angelegten und umzäunten Gemüsegarten wuchsen Kartoffel, Zwiebel, Bohnen, Mais, Tomaten, Karotten und Salate. Ein riesiger Nussbaum spendete Schatten; Apfel-, Birnen- und Mirabellenbäume standen Spalier - darunter blühten Himbeeren. Einer der Kellerräume diente als Werkstatt und Garage für alle möglichen Gartenmaschinen; in einem Schopf lagerte Kaminholz.

Wir hatten unser Haus gefunden.

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4. Französische Bürokratie?

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2. Leben wie Gott in Frankreich?